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Kommunismus als Befreiungsideologie?

Theorie (Lenin 1920: „Thesen zur nationalen und kolonialen Frage“s): „Export der Revolution“ in zwei Phasen

1. Beseitigung der Kolonialherrschaft durch nationale Befreiungsbewegungen mit Unterstützung der SU

2. Fortführung der „bürgerlichen“ Revolution zu sozialistischen Zielen

Praxis

a) zweimal „gelungen“: China (1949), Nordvietnam (1955)

Ziele des SU-Engagement in der dritten Welt in der Phase der Dekolonisation nach 1960:

Umorientierung der SU-Politik zugunsten einer breit angelegten wirtschaftlichen und militärischen Unterstützung der jungen unabhängigen Staaten (→ Kuba)

Erweiterung des eigenen Macht- und Einflussbereiches und Eindämmung des US-Einflusses

Förderung der eigenen Volkswirtschaft

b) – Verwicklung in „Stellvertreterkriege“ (z.B. Angola 1975ff.)

immense (!) Rüstungsexporte

Afghanistan (1979 – 1989) als Sonderfall

Neuorientierung der SU-AP nach 1985, „Neues Denken“ in der AP (Gorbatschow)

Verringerung des Engagements in allen Bereichen (wirt. Notwendigkeit), Aufgabe der Breschnew-Doktrin, Selbstbestimmungsrecht der Völker

c) – China ↔ SU: Chinesischer Entwicklungsprozess: Schwergewicht auf den landwirtschaftlichen Sektor, „Vertrauen in die eigene Kraft“, echtes asiatisches Land ↔ weißen europäischen Russen → bessere Propaganda in den „Dritte Welt“-Ländern

→ kleinere sozialistische Staaten spielen die Konkurrenten gegeneinander aus, z.B. Nordvietnam und Nordkorea

– Kuba: (Fidel Castro stürzt Battistas Diktatur); SU: Vermeidung eines eigenständigen Revolutionszentrum und Modell für die Dritte Welt und daraus resultierender Anzweifelung des sowjetischen Führungsanspruches: Scheitern des Export der kubanischen Revolution nach Lateinamerika ist im sowjetischen Interesse

– Chruschtschow: antiwestliche Haltung von Ägypten und Indien: Durchbrechung des US-amerikanischen Einkreisungsring von Militärbündnissen

– Ziel: Zusammenarbeit mit Regime und dann schrittweise Erhöhung des sowjetischen Einflusses bis

zur sozialistischen Umgestaltung

– Breschnew: Umorientierung der sowjetischen Politik gegenüber der „Dritten Welt“: Bemühung zur Schaffung stabiler Beziehungen zu Staaten ungeachtete deren innen- und außenpolitischer Orientierung

XXI. Parteitag: wirtschaftliche Beziehungen zur „Dritten Welt“: Gesichtspunkt der Vorteilhaftigkeit für die sowjetische Volkswirtschaft → Freundschaftsverträge mit Ägypten, Indien, Irak Anfang der Siebziger

Mitte der 70er Jahre: direkte oder indirekte Unterstützung der Schaffung von Regimes in Angola, Mosambik, Somalia, Äthiopien, Afghanistan, Süd-Jemen ohne Vorbereitung durch die SU, Staaten sozialistischer Orientierung → Einbindung in die sozialistische Staatengemeinschaft durch Entsendung von Experten zum gezielten Aufbau in Militär und Staatsapparat scheiterte, weil die Zuverlässigkeit der neuen Verbündeten zweifelhaft war und v.a. keine neuen wirtschaftlichen Verpflichtungen wie im Falle Kubas auftreten sollten, die die sowjetische Wirtschaft noch weiter belasten, etwa 20 der 120 Länder waren Kandidaten für den „sozialistischen Entwicklungsweg“