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DDR in den 60er Jahren

  • NÖS(PL): Neues ökonomisches System (der Planung und Leitung der Volkswirtschaft; 24./25.6.1963)
    • „Grundsatz des höchsten ökonomischen Nutzeffektes“ und der „materiellen Interessiertheit“
    • Ziel: Steigerung der Rentabilität und Produktivität der DDR-Wirtschaft
    • Produktion ist weiterhin verstaatlicht; zentrale Planung
    • aber: leistungsfähiger und flexibler durch Einbeziehung der technisch-wissenschaftlich Intelligenz bei der Planung; teilweise Selbstbestimmung über die Gewinne von Betrieben; mehr indirekte Steuerung durch Prämien, Zinsen, Abgaben und Preisen
    • mehr Leistung durch neue Arbeitsnormen/Leitungskennziffern, Geld- und Urlaubsprämien
    • →Unzufriedenheit bei Betroffenen durch das komplizierte System von Vergünstigungen und weitere Unzufriedenheit bei Werktätigen wegen der (geringeren) Entlohnung, die an die Leistungen gekoppelt waren, die wiederum von äußeren Faktoren abhingen wie z. B. alte Maschinen und fehlendes Material
    • →Gefährdung des Machtmonopols der SED wegen der steigenden Eigeninitiative/-verantwortlichkeit der Betriebe
    • →1966: 8 (neugegründete) Industrieministerien und VVB (Vereinigungen der volkseigenen Betriebe) sollen die DDR-Wirtschaft leiten, koordinieren und kontrollieren
  • ÖSS: Ökonomisches System des Sozialismus (17.-22.4.1967)
    • weitere Fortschritte zur Entwicklung eines flexiblen Preissystems
    • Betriebe: größere Entscheidungsbefugnisse
    • weiter Abbau der Planauflagen
    • ↔„Strukturbestimmende Aufgaben“: Förderung von „Fortschrittsindustrien“ (z. B. Elektrotechnik, Werkzeugmaschinenbau) durch ausführlichen Plankennziffern
  • Vergleich DDR↔RGW: höchstes Pro-Kopf-Einkommen und höchster Lebensstandard (mit ČSSR und sogar vor der UdSSR); zweitgrößte Wirtschaftsmacht nach UdSSR und größter Außenhandelspartner der UdSSR (Handelsabkommen 3.12.1963)
  • ausreichende Sicherheit durch Subventionierung von Grundnahrungsmitteln und Mieten (→schlechte Pflege; vernachlässigter Wohnungsbau) trotz niedrigeren Einkommen und niedriger Kaufkraft als in der BRD
  • Versorgungsengpässe bei hochwertigen Lebensmitteln, Konsumgütern, Kleidung, Schuhen und Möbeln; Arbeiterstreiks in Polen; Nichterfüllung von wichtigen Zielen des 5-Jahres-Planes 1966-1970 trotz 6% jährlich steigender Industrieproduktion
  • →NÖS(PL)/ÖSS wird aufgegeben und die alte Zentralverwaltungswirtschaft wiederhergestellt
  • Abgrenzung zur BRD durch: „Nationales Dokument“ (1962), neuem Staatsangehörigkeitsgesetz (1967), neuer Verfassung (1968) und neuem Strafgesetzbuch (1968)
  • Gesellschaft: Jugendkommuniqué (1963): „Frei von Gängelei, Zeigefingerheben und Administrieren“ (→größere Freiheiten wie „Streitgespräche“); 16.-18.5.1964: „Deutschlandtreffen der Jugend“ (mit BRD-Jugend!) Intellektuelle nutzen diese Liberalisierung um Kritik zu äußern (→“Kaninchenfilme“) und bekommen harte Sanktionen; 1964: Neues Jugendgesetz (Jugend soll (später) die Wirtschaft ankurbeln und sozialistsich sein); ab 1965: „Harter Kurs“ →ZJF (Zentralinstitut für Jugendforschung; 1966) um Gewohnheiten und Vorlieben der Jugendlichen zu erfahren; 1969: Forschungsergebnis: Jugend ist anti-sozialistisch